Noch vor Kurzem bedeutete KI-Authoring vor allem: schneller Content erstellen. Texte generieren, Quizfragen formulieren, Bilder erstellen oder Kurse übersetzen. Das spart Zeit – greift aber inzwischen zu kurz. Mit KI-Agenten und offenen Schnittstellen wie MCP beginnt die nächste Entwicklungsstufe: KI wird vom einzelnen Feature zum aktiven Bestandteil des Learning-Design-Prozesses. Für L&D-Teams stellt sich deshalb nicht mehr nur die Frage, welches Tool guten Content produziert, sondern wie intelligent es sich in bestehende Prozesse und Systeme integrieren lässt.
Einführung: Warum KI-gestützte Content-Erstellung nicht mehr optional ist
Seit Jahrzehnten zählt die Entwicklung von Lerninhalten zu den grössten Herausforderungen im Corporate Learning – zeitaufwändig, kostspielig und schwer skalierbar. Gleichzeitig müssen Inhalte heute schneller verfügbar, mehrsprachig und einfach aktualisierbar sein.
KI-gestützte Authoring Tools verändern diesen Prozess grundlegend: Sie beschleunigen die Content-Produktion, unterstützen bei Übersetzungen und ermöglichen es L&D-Teams, Lernangebote deutlich effizienter zu skalieren.
Inzwischen geht die Entwicklung jedoch über reine Content-Generierung hinaus. KI-Agenten können zunehmend ganze Arbeitsschritte im Instructional Design unterstützen – von der Analyse vorhandener Quellen über Lernziele und Storyboards bis zur Überarbeitung bestehender Inhalte. Gleichzeitig ermöglichen offene Schnittstellen wie das Model Context Protocol (MCP), Authoring Tools direkt mit KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude zu verbinden.
Damit verändert sich auch die Frage, was ein modernes Authoring Tool leisten sollte.
Tool-Vergleich: Eine Marktanalyse
Bei der Auswahl eines KI-Authoring-Tools bleiben Skalierbarkeit, Benutzerfreundlichkeit, Übersetzungsfunktionen und die Integration in bestehende Lernökosysteme entscheidend.
Hinzu kommen heute weitere Kriterien: Wie intelligent unterstützt die KI den gesamten Authoring-Prozess? Kann das Tool mit anderen KI-Systemen zusammenarbeiten? Und lassen sich Content, Analytics und Workflows miteinander verbinden?
- Mindsmith: KI-Agent, MCP-Integration, Übersetzung, Dynamic SCORM und Analytics – besonders geeignet für skalierbare und KI-integrierte Content-Erstellung.
- Elucidat: Templates, Teamrechte und umfangreiche Übersetzungsprozesse – vor allem für grössere Content-Teams.
- Easygenerator: Schnelle Kurserstellung und einfache Bedienung – gut geeignet für kleinere Teams und unkomplizierte Lerninhalte.
- iSpring Suite: Enge PowerPoint-Integration und Szenarientools – interessant für PowerPoint-basierte Workflows.
- Adobe Captivate: Simulationen und hohe Anpassbarkeit – für komplexere E-Learning-Projekte.
- Articulate Rise 360: Responsives Design und intuitive Bedienung – für die schnelle Erstellung responsiver Lerninhalte.
Die Unterschiede liegen zunehmend nicht mehr nur im Editor selbst. Entscheidend wird auch, wie gut sich ein Tool in bestehende Lern-, Daten- und KI-Workflows integrieren lässt.
«Die spannende Entwicklung ist nicht, dass KI schneller Content erstellt. Entscheidend ist, dass Agenten zunehmend den gesamten Learning-Design-Prozess unterstützen – und sich dabei nahtlos mit bestehenden Systemen verbinden.»
Sergio Cerminara, Senior Customer Success Manager MaxBrain
Im Fokus: Mindsmith
Mindsmith verbindet klassische Authoring-Funktionen inzwischen stärker mit KI-gestützten Workflows.
Was Mindsmith auszeichnet:
- Dynamic SCORM: Inhalte lassen sich aktualisieren und mit dem LMS synchron halten.
- Übersetzung und Lokalisierung: Mehrsprachige Inhalte lassen sich zentral verwalten.
- Custom Branding: Lerninhalte können an das Corporate Design angepasst werden.
- Analytics: Nutzung, Completion, Scores und Engagement können ausgewertet werden.
- Agent: Der Agent unterstützt nicht nur bei der Generierung von Text. Er analysiert Quellen, stellt bei Bedarf Rückfragen, entwickelt Lernziele und Storyboards und kann bestehende Inhalte gezielt überarbeiten.
- MCP-Integration: Mindsmith kann mit kompatiblen KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Cursor verbunden werden. Dadurch können beispielsweise Lektionen gesucht und erstellt, Analytics abgefragt oder Inhalte direkt aus dem KI-Assistenten heraus bearbeitet werden.
Gerade der letzte Punkt zeigt, wohin sich Authoring entwickelt: weg vom isolierten Tool und hin zu einem vernetzten Bestandteil des digitalen Arbeitsplatzes.
Von KI-Authoring zu Agentic Learning Design
2025 lag der Fokus vieler KI-Tools noch auf der Frage: Wie schnell kann KI Content erzeugen?
Heute wird eine andere Frage wichtiger: Wie viel vom gesamten Prozess kann KI sinnvoll unterstützen?
Ein Agent kann beispielsweise Quellen analysieren, einen didaktischen Aufbau vorschlagen, Rückfragen stellen und erst anschliessend den eigentlichen Lerninhalt erstellen. Instructional Designer:innen geben damit weniger einzelne Prompts und steuern stärker Ziele, Qualität und Rahmenbedingungen.
Der Mensch bleibt dabei zentral: Lernziele, fachliche Richtigkeit, Tonalität und finale Qualität brauchen weiterhin klare Verantwortung.
MCP: Authoring wird Teil des KI-Ökosystems
Eine weitere wichtige Entwicklung ist das Model Context Protocol (MCP). Vereinfacht gesagt ermöglicht MCP, dass KI-Assistenten kontrolliert mit anderen Anwendungen und deren Funktionen kommunizieren.
Für L&D eröffnet das neue Workflows. Statt zwischen mehreren Anwendungen zu wechseln, kann ein Team beispielsweise aus einem KI-Assistenten heraus:
- vorhandene Lerninhalte finden,
- Performance-Daten analysieren,
- neue Lektionen erstellen oder bestehende bearbeiten,
- Inhalte veröffentlichen oder Tracking-Links erzeugen.
Damit wird Interoperabilität zu einem neuen Auswahlkriterium für Learning-Technologien.
Zentrale Erkenntnisse
KI-gestützte Content-Erstellung steigert die Effizienz und reduziert repetitive Arbeit. Übersetzungs- und Lokalisierungsfunktionen bleiben entscheidend für globale Skalierung. Gleichzeitig unterscheiden sich Tools weiterhin deutlich hinsichtlich UX, Zusammenarbeit und Integrationsmöglichkeiten.
Hinzu kommen drei neue Faktoren:
- Agentenfähigkeit: Unterstützt die KI einzelne Aufgaben oder den gesamten Authoring-Prozess?
- Interoperabilität: Kann das Tool mit anderen KI-Systemen und Unternehmensanwendungen zusammenarbeiten?
- Datenintegration: Können Analytics direkt genutzt werden, um Lerninhalte weiterzuentwickeln?
Es gibt weiterhin keine Universallösung. Entscheidend ist, welches Tool zum eigenen Team, Lernökosystem und Anwendungsfall passt.
Wie Sie das richtige KI-Autorentool auswählen
Stellen Sie sich bei der Auswahl folgende Fragen:
- Wie gross ist Ihr Team und wie technisch erfahren sind die Autor:innen?
- Besteht Bedarf an mehrsprachigem Content?
- Wie gut lässt sich das Tool in Ihre bestehende Lernplattform integrieren?
- Welche Anforderungen bestehen an Branding und Zusammenarbeit?
- Kann die KI auch komplexere Arbeitsschritte wie Recherche, Storyboarding und Content-Review unterstützen?
- Lässt sich das Tool über MCP, APIs oder andere Schnittstellen in bestehende KI-Workflows integrieren?
- Können Nutzungsdaten direkt für die Optimierung der Inhalte verwendet werden?
Damit verschiebt sich die Auswahl zunehmend von einzelnen Features hin zur Frage, wie gut ein Tool in die gesamte Learning-Tech-Landschaft passt.
Blick in die Zukunft: Vom Authoring Tool zur Learning-Plattform
Einige Entwicklungen, die vor wenigen Jahren noch Zukunftsmusik waren, sind bereits Realität. KI kann heute nicht nur Inhalte generieren, sondern Quellen analysieren, Storyboards erstellen, Content überprüfen und Performance-Daten interpretieren.
Die nächste Entwicklungsstufe dürfte deshalb weniger darin bestehen, noch schneller Texte zu generieren. Entscheidend wird sein, wie gut Agenten, Unternehmenswissen, Authoring, Analytics und bestehende Systeme zusammenspielen.
Für L&D-Teams bedeutet das: Der grösste Produktivitätssprung entsteht nicht durch einen weiteren KI-Button, sondern durch intelligent verbundene Workflows.
Häufige Fragen
Was ist ein KI-Agent im Learning Design?
Ein KI-Agent unterstützt nicht nur bei einzelnen Aufgaben wie dem Schreiben von Texten. Er kann einen Arbeitsauftrag in mehrere Schritte zerlegen, Quellen analysieren, Rückfragen stellen, Lernziele und Storyboards entwickeln und bei der Erstellung oder Überarbeitung von Lerninhalten unterstützen.
Was ist MCP?
Das Model Context Protocol (MCP) ist ein offener Standard, über den KI-Anwendungen mit externen Tools und Datenquellen verbunden werden können. Dadurch können beispielsweise KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude auf Funktionen eines angeschlossenen Authoring Tools zugreifen.
Was ermöglicht die MCP-Integration von Mindsmith?
Über MCP lässt sich Mindsmith mit kompatiblen KI-Assistenten verbinden. So können beispielsweise Projekte und Lektionen gefunden, Analytics ausgewertet sowie – abhängig von den jeweiligen Berechtigungen – Inhalte erstellt, bearbeitet oder veröffentlicht werden.
Was ist der Unterschied zwischen KI-Authoring und Agentic Authoring?
Beim klassischen KI-Authoring unterstützt KI vor allem bei einzelnen Aufgaben, etwa beim Generieren von Texten, Bildern oder Quizfragen. Agentic Authoring geht einen Schritt weiter: Die KI begleitet einen mehrstufigen Prozess und unterstützt beispielsweise bei Recherche, Planung, Erstellung und Überarbeitung.
Ersetzen KI-Agenten Instructional Designer?
Nein. KI-Agenten können repetitive und zeitintensive Arbeitsschritte übernehmen und bei der Strukturierung von Lerninhalten unterstützen. Lernziele, fachliche Qualität, didaktische Entscheidungen und die finale Qualitätssicherung bleiben jedoch in der Verantwortung des Menschen.

